Handlungsfeld 4: Bürgermitwirkung und Stadtteilleben

Leitbild

Die angestrebte „Angebots- und Aktivitätenvielfalt zur Verbesserung der Lebensqualität“ kann ihre Wirkung nur entfalten, wenn sich die Bewohnerinnen und Bewohner mit dem jeweiligen Stadtteil bzw. Quartier identifizieren: es soll sich lohnen in der Frankfurter Innenstadt bzw. hier im Gebiet der sozialen Stadt zu wohnen, zu arbeiten, die Freizeit zu verbringen und am Verkehr teilzunehmen. Diese Identifikation ist Voraussetzung für ein funktionierendes Stadtteilleben.

Die Qualität der Lebensverhältnisse im Stadtteil wird nicht allein durch die baulichen Rahmenbedingungen, die wohnungswirtschaftlichen Gegebenheiten und die ökonomische Einbindung der Bevölkerung, sondern ganz zentral vom Zusammenleben der unterschiedlichen Bevölkerungsteile und Altersgruppen im Stadtteil bestimmt.  Das Vorhandensein von Gelegenheiten und Anlässen für eine Teilhabe am Stadtteilleben und an gemeinschaftlichen Aktivitäten prägt ganz entscheidend das Sich-Wohlfühlen, ein gutes nachbarschaftliches Miteinander und die Identifikation mit dem eigenen Stadtteil bzw. Quartier.

Ohne eine Teilhabe und ohne das Engagement der Bürgerschaft in Frankfurt (Oder) wird der angestrebte Erneuerungsprozess nicht nachhaltig gelingen. Das Zusammenleben in den Quartieren beinhaltet immer auch das Zusammenleben unterschiedlicher sozialer Gruppen, Schichten, unterschiedlicher Altersgruppen, Generationen und unterschiedlicher Lebensstile und Kulturen. Im Rahmen der Stadtteilarbeit soll ein solidarisches Miteinander, der Ausgleich von sozialen Disparitäten und ein Austausch zwischen den unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen erreicht werden. Hierfür sind entsprechende Rahmenbedingungen und Unterstützungsstrukturen zu stärken, um Mitsprache- und Gestaltungsmöglichkeiten zu eröffnen.


Ausgangssituation und Handlungsansätze

Identitäten
Die Stadt Frankfurt (Oder) bietet eine vielfältige Palette positiver Identitäten: neben der Solarstadt, Sportstadt, sind in Bezug zu den innerstädtischen Bereichen vor allem die „Stadt am Fluss“, die Europa-Universität Viadrina, die Kleiststadt und die Bildungs- und Kultureinrichtungen als Identitäten wirksam.

Citymanagement
Für den Innenstadtbereich wird durch die Interessengemeinschaft Innenstadt (IGIS) seit 1999 ein City-Management durchgeführt. Die IGIS wurde 2000 von engagierten Vertretern von Händlern, Gastronomen,
Immobilieneigentümern, ansässigen Unternehmen, Vereinen, Verbänden, Institutionen, Medienvertretern und Privatpersonen gegründet. Die Stadt Frankfurt (Oder) unterstützt die Arbeit als Fördermitglied.

Zivilgesellschaftliches Engagement
Frankfurt (Oder) zeichnet sich durch eine engagierte Bürgerschaft aus. Im Kontext der Sozialen Stadt sind vor allem die Stadtteilkonferenzen bedeutsam. Hierzu gehören
  • das Bürgerforum Innenstadt und
  • die Stadtteilkonferenz Neuberesinchen sowie
  • der Interessenverband Altberesinchen e.V.


Stärken und Chancen im Handlungsfeld Bürgermitwirkung und Stadtteilleben:

  • Identifikationsvielfalt (Kleiststadt , Sportstadt, Solarstadt)
  • starke Stadtteilkonferenzen (hier NB, Bürgerforum Innenstadt)
  • engagiertes Citymanagement
  • breite Träger- und Vereinslandschaft


Schwächen im Handlungsfeld Bürgermitwirkung und Stadtteilleben:

  • Überforderte Nachbarschaften in Problemquartieren
  • gering ausgeprägte „Kiez-Kulturen“ auf Quartierebene
  • mangelhafte Belebung der Innenstadt (außer bei Veranstaltungen)
  • zu wenig (offene) Kommunikationsplätze, Begegnungsplätze im öffentlichen Raum
  • geringe Identifikation der Universitätsangehörigen


Ziele

Zur Verbesserung der Bürgermitwirkung und der weiteren Aktivierung des Stadtteillebens zielt Soziale Stadt vor allem darauf ab
  • die Bürgermitwirkung zu stärken. Dabei soll die Engagementförderung eng an die vorhandenen Strukturen (Initiativen, Verbände, Vereine) andocken; dies gilt allgemein als wesentlicher Erfolgsfaktor,
  • vorhandene Netzwerke stärken und Hilfen zur Selbsthilfe zu erhöhen, da das vielfältige ehrenamtliche Engagement häufig an Grenzen  stösst und die anspruchsvollen Programmziele allein nicht erfüllen kann,
  • eine Kiez-Kultur zu schaffen, die besonders kleinteilig und selbstorganisiert in den jeweiligen Quartieren, Blöcken, Aufgängen wirkt.


Entwicklungs- und Erfolgsindikatoren, Nachhaltigkeit

Die Nachhaltigkeit der genannten Ziele der Bürgermitwirkung, der (Selbsthilfe-) Netzwerke und Kiez-Kultur (-en in den Quartieren) wird im wesentlichen durch
  • ihre Beständigkeit – über die Projektarbeit hinaus und
  • Innovationsfähigkeit – im Aufgreifen von Zukunftsthemen
markiert werden. Ihren Ausdruck finden sie in starken Stadtteil- und Quartiersidentitäten, die positive Ausstrahlungswirkungen auf eine breite Bürgerschaft in Frankfurt (Oder) entfalten.

Quelle: Integriertes Handlungskonzept "Soziale Stadt" Frankfurt Oder (siehe Downloadbereich) 
Das Programm Soziale Stadt wird aus Mitteln des Bundes, des Landes Brandenburg und der Stadt Frankfurt (Oder) gefördert.