Handlungsfeld 3: Städtebau, Wohnumfeld, Infrastruktur

Innerhalb der Gebietskulisse der Sozialen Stadt in Frankfurt (Oder) finden sich zahlreiche Gebietskulissen der Städtebauförderung mit einer Vielzahl von laufenden und geplanten Projekten. Insbesondere soll an dieser Stelle noch einmal verwiesen werden auf Planungen und Projekte aus 
  • den Sanierungsgebieten ehemalige Altstadt, Gubener Straße / Lindenstraße sowie Altberesinchen,
  • der Entwicklungsmaßnahme Südöstliches Stadtzentrum,
  • den Stadtumbaugebietskulissen Zentrum und Neuberesinchen sowie
  • dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept.

Über die Programme der Städtebauförderung wurden innerhalb dieser Gebietskulissen in den vergangenen Jahren bereits zahlreiche bauliche Maßnahmen umgesetzt. Mit Einschränkung des Sanierungsgebietes Gubener Straße / Lindenstraße stehen in allen anderen Gebietskulissen aus den verschiedenen Förderprogrammen auch noch finanzielle Mittel für die Realisierung weiterer Vorhaben zur Verfügung. Verzahnungen und Ergänzungen verschiedener Förderprogramme stehen somit hier im Vordergrund. Dies betrifft insbesondere investive bauliche Maßnahmen an und vor allen Dingen in Gebäuden, die im Rahmen der gängigen Förderprogramme der Städtebauförderung nur schwer darzustellen sind. Zudem sollten sich investive Maßnahmen vor allen Dingen außerhalb bereits festgelegter Förderkulissen, wie beispielsweise im Bereich der Berliner Straße, oder dort wieder finden, wo die bisherigen Fördermöglichkeiten nicht greifen konnten oder, aufgrund nicht mehr zur Verfügung stehender Fördermöglichkeiten nicht mehr greifen können, wie an der Gubener Straße.


Leitbild

In allen zuvor genannten Gebietskulissen wurden Leitbilder und Konzepte entwickelt und festgeschrieben, aus denen hervorgeht, wie sich das jeweilige Gebiet bis zum Abschluss der Maßnahmen und darüber hinaus entwickeln soll. Auf diese Konzepte soll an dieser Stelle verwiesen werden, ohne sie im Einzelnen wiederzugeben.

Aufgegriffen werden sollen an dieser Stelle die Leitbildformulierungen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes INSEK vom Juni 2007, sofern sie auf die Gebietskulisse und auf das Handlungsfeld Städtebau, Wohnumfeld und Infrastruktur zutreffend sind. Hierbei sind insbesondere aus der „Leitbildkomponente 4: Weltoffene Brückenstadt mit hoher Lebensqualität“ folgende übergeordnete Entwicklungsziele zu nennen:
  1. Stärkung der Innenstadt als kultureller Kristallisationspunkt, als überregionales Einkaufszentrum, als Campus, als urbanes Forum
  2. Pflege des baukulturellen Erbes, Sanierung und Nachnutzung historisch wertvoller Bausubstanz (z.B. Georgenhospital, Stadtteil am Grünen Weg)
  3. Schaffung guter Rahmenbedingungen für Wohnen und Leben im Alter (ÖPNV, Barrierefreiheit, Sicherheit)
  4. Förderung vielfältiger, bezahlbarer Wohnmodelle insbesondere für Familien, Senioren und Studenten (Mehrgenerationenwohnen)


Ausgangssituation

Städtebau
Die Soziale Stadt Gebietskulisse „Stadtzentrum-Beresinchen“ zeigt sich städtebaulich als ein sehr inhomogenes Gebilde. Auf der einen Seite befinden sich die gründerzeitlichen Stadtviertel der Gubener Vorstadt und Altberesinchens mit einer überwiegend sanierten Bausubstanz. Auf der anderen Seite findet sich im Stadtzentrum, in der Halben Stadt und im I. Wohnkomplex in Neuberesinchen vorwiegend industriell gefertigter Wohnungsbau der 50er-80er Jahre wieder. Durch den bereits seit Mitte der 1990er Jahre bestehenden kommunalen Konsens über
die Priorität der Innenstadtentwicklung ist es gelungen, frühzeitig einen erfolgreichen Stadterneuerungsprozess in den innerstädtischen Sanierungsgebieten sowie im Südöstlichen Stadtzentrum einzuleiten und die Innenstadt durch den damit verbundenen konzentrierten Einsatz von Fördermitteln deutlich aufzuwerten. 

Wohnumfeld
Das unmittelbare Wohnumfeld spielt für die Identifikation der Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrem Stadtteil und ihrer Stadt eine herausgehobene Bedeutung. Durch das Engagement der Wohnungsunternehmen und zahlreicher Privatpersonen hat sich das unmittelbare Wohnumfeld innerhalb der Gebietskulisse, und hierbei handelt es sich insbesondere um die Wohn- und Hinterhöfe, sehr positiv entwickelt. Nicht nur durch die öffentlichen sondern insbesondere auch durch diese privaten Investitionen hat sich eine hohe Identität der Bewohner mit ihrem Quartier ergegeben. Diese Ansätze und das private Engagement gilt es zu nutzen und ggf.
durch finanzielle Unterstützung kleinteiliger Maßnahmen zur weiteren Identitätsstiftung beizutragen.

Infrastruktur
Von allen Gesprächspartnern bemängelt wurde die derzeitige Geschäftssituation in der Haupteinkaufsstraße, der Karl-Marx-Straße. Zwar findet sich hier, wie auch in den angrenzenden Geschäftszentren Oderturm und Lennepassage ein umfangreiches Angebot, die Qualität dieser Angebote hat sich jedoch in den letzten Jahren, insbesondere nach Geschäftswechseln zunehmend Richtung Billiganbietern verschlechtert. Als großes Manko wurde zudem die Große Scharrnstraße in ihrer derzeitigen städtebaulichen Ausprägung und den vorhandenen
Nutzungen benannt. 


Stärken und Chancen im Handlungsfeld Städtebau, Wohnumfeld, Infrastruktur:

  • zahlreiche Fördermöglichkeiten über die vorhandenen Gebietskulissen (Sanierungs- und Entwicklungsgebiet, ZiS, INSEK)
  • attraktive öffentliche Räume durch umfangreiche Investitionen
  • gute ÖPNV Anbindung an das gesamte Stadtgebiet
  • zahlreiche Einkaufsmöglichkeiten und soziale Infrastruktureinrichtungen
  • hoher Sanierungsstand bei den Wohngebäuden


Schwächen im Handlungsfeld Städtebau, Wohnumfeld, Infrastruktur:

  • Brachen insbesondere im Norden des Soziale Stadt Gebietes
  • Leerstand von Gebäuden
  • fehlende, teilweise geringe Qualität von Plätzen und Kommunikationsräumen (nördlicher Lennépark)
  • hoher Erneuerungsbedarf öffentlicher Gebäude
  • teilweise wenig attraktiv gestaltetes Wohnumfeld


Handlungsansätze (bisherige Maßnahmen / laufende Programme)

Über die bestehenden Programme der Städtebauförderung wurden und werden zahlreiche bauliche Maßnahmen im öffentlichen Raum, aber auch an bestehenden Gebäuden gefördert. Über diese Programme werden die Handlungsansätze in den jeweiligen Gebietskulissen fortgeschrieben. An dieser Stelle sollen vor allem die weiteren Handlungsansätze des INSEK bei der Revitalisierung und weiteren Stärkung der Innenstadt benannt werden. Hierbei handelt es sich insbesondere um:
  • Die Neuordnung des Areals "Große Oderstraße/Holzmarkt" mit dem Grundstück der ehemaligen Stadtwerkküche, dem Kleistmuseum und dem "Schulblock", der nach dem Umzug der Grundschule Mitte in die Gubener Vorstadt voraussichtlich ab 2009 neu zu ordnen ist.
  • Die Entwicklung des Areals an der Stadtbrücke für eine gewerbliche bzw. institutionelle Nutzung im größeren Maßstab zur Neugestaltung des Stadteingangs/-ausgangs. Die Slubicer Straße bildet mit der Stadtbrücke die entscheidende stadt- und zentrumsverbindende Achse der Doppelstadt.
  • Die Umnutzung und Weiterentwicklung des Areals des ehemaligen Gaswerks im nördlichen Teil des Sanierungsgebietes ehemalige Altstadt für Wohnungsbau. Mit der Sicherung des Gasometers und mit der in Aussicht gestellten Wiedernutzung durch die Stadtwerke als Betriebshof wird die Attraktivität des nördlich angrenzenden Bereiches erheblich steigen.
  • Umsetzung der Ergebnisse des landschaftsarchitektonischen Wettbewerbs von 2006 zur "Innenstadt als Campus", einschließlich der funktionalen und stadträumlichen Verknüpfung der einzelnen Universitätsgebäude.
  • Aufwertung des Umfeldes des ehemaligen Straßenbahndepots an der Bachgasse einschließlich der Integration der derzeit dort vorhandenen Nutzungen der Museumswerkstatt für Verkehr und Technik sowie des Inline- und Skateboardvereins Ostbande.
  • Nachnutzung des derzeit leer stehenden ehemaligen Gauß-Gymnasium in der Gartenstraße einschließlich des stadtbildprägenden Gebäudes Paul-Feldner-Straße 6, das als Hauptsitz der Volkshochschule vorgesehen ist.
  • Sicherung und Wiedernutzbarmachung herausragender denkmalgeschützter Gebäude, die angesichts der geringen Anzahl von "Traditionsinseln" in der Frankfurter Innenstadt besonders wichtig für das Stadtbild und die Identität der Stadt sind. Hier sind insbesondere das verfallende Georgenhospital in der Berliner Straße, die ehemalige Bürgerschule am Lennépark und die ehemalige Exerzierhalle in der Logenstraße zu nennen.
  • Realisierung eines Parkhauses in der Gartenstraße / Bachgasse, in den letzten Jahren in der näheren Umgebung ca. 230 ebenerdige Stellplätze entfallen sind und zwischenzeitlich über 100 WE neu entstanden sind. Die Stellplatzsituation wird sich noch weiter verschärfen, wenn der Parkplatz auf dem Baufeld Gartenstraße südlich des zukünftigen Verwaltungsgerichts und Sitzes der Staatsanwaltschaft an der Großen Scharrnstraße, wo derzeit ca. 150 Stellplätze vorhanden sind, wegfallen wird.
  • Neuordnung des Areals der ehemaligen Möbelfabrik Mantz & Gerstenberger, heute Gerstenberger-Höfe. Hier ist ein Teil der Kultureinrichtungen ansässig, denen die Frankfurter Jugendkulturszene ihre Lebendigkeit verdankt. Allerdings weisen viele Gebäude bauliche Substanzmängel auf, die Einrichtungen sind z.T. beengt oder in ungeeigneten Räumlichkeiten untergebracht. Ähnlich desolat stellt sich die Gestaltung und Nutzung der Freiflächen dar, die untergenutzt, versiegelt und für die ansässigen Kultureinrichtungen in diesem Zustand nicht nutzbar sind. Für die Entwicklung des nordöstlichen Innenstadtbereiches stellen die Gerstenberger-Höfe in städtebaulicher, stadtkultureller und jugendpolitischer Hinsicht einen Schlüsselbereich dar, dessen Standortgunst sich besonders nach dem Abschluss der Sanierung der Nördlichen Oderpromenade 2006 noch erhöht hat.
  • Weiterhin problematisch ist der Zustand von Wohngebäuden in einigen Bereichen der Innenstadt, z.B. den Bereich nördlich der Slubicer Straße und die Gebiete Wollenweberstraße und teilweise Halbe Stadt.

INSEKplan

Überlagerung Stadtentwicklungsrelevanter Maßnahmebereiche bis 2020 mit INSEK-Schlüsselmaßnahmen


Ziele

Aus den übergeordneten Leitbildern und Entwicklungszielen, der geschilderten Ausgangslage und den bisherigen Handlungsansätzen wurden im Handlungsfeld Städtebau, Wohnumfeld und Infrastruktur folgende Ziele entwickelt:
  1. Stärkung der Wohnfunktion im gesamten Gebiet
  2. Stärkung der Identifikation der Bewohner mit dem Gebiet und dem unmittelbaren Wohnumfeld
  3. Ausbau und bessere Auslastung bestehender sozialer und kultureller Angebote
  4. Aufwertung des städtebaulichen Erscheinungsbildes

Die Maßnahmen und Projekte der Sozialen Stadt sollen die bereits bestehenden Zielrichtungen und Programme unterstützen und begleiten. Die Stärkung des Stadtzentrums als Wohnstandort für breite Schichten der Bevölkerung steht hierbei im Vordergrund. Bei allen geplanten Vorhaben gilt es, die Bevölkerung mitzunehmen und Ideen und Planungen mit ihnen abzustimmen, um eine Identifikation der Bewohner mit ihrem Wohnumfeld zu erreichen. Hier ist eine enge Verzahnung mit dem Handlungsfeld 4 Bürgermitwirkung und Stadtteilleben gegeben.


Entwicklungs- und Erfolgsindikatoren, Nachhaltigkeit

Die aufgezeigten Entwicklungs- und Erfolgsindikatoren sind in jedem Fall projektbezogen zu konkretisieren. Mögliche Indikatoren zur Messung des Erfolgs einer baulichen Aufwertung eines Areals oder eines Gebäudes liegen in der
  • Entwicklung der Nutzungsintensität,
  • Entwicklung der Besucherzahlen bzw. der Anzahl von durchgeführten Veranstaltungen,
  • Entwicklung der Betriebs-, Verbrauchskosten (Strom, Heizung etc.).

Mit Blick auf die Nachhaltigkeit der im Handlungsfeld 3 Städtebau, Wohnumfeld, Infrastruktur getätigten bzw. zu tätigenden Investitionen sind diese von zwei Seiten zu betrachten. Zum einen die rein bauliche, die sich auf den Zustand des Gebäudes oder des Platzes nach der Sanierung bezieht. Mit der Sanierung wird die Nachhaltigkeit des Gebäudes, d.h. sein langfristiger Erhalt, gesichert. Zum anderen erfolgt die Sanierung eines Gebäudes oder öffentlichen Platzes nicht aus dem Selbstzweck der Sanierung heraus, sondern zur Steigerung der Attraktivität oder besseren Ausnutzung des Objektes. Auch diese Projekte müssen sich an den aufgestellten Zielen in diesem Handlungsfeld messen lassen.

Das heißt auch die Einrichtungen oder Vereine, die das Gebäude später nutzen wollen, müssen tragfähige Strukturen aufweisen. Bei den im Handlungsfeld 3 geförderten Projekten werden durchgehend keine laufenden Kosten gefördert, es ist demzufolge davon auszugehen, dass hier nachhaltige Strukturen gegeben sind, was im Rahmen der Beantragung der Einzelbestätigungen im Detail noch einmal zu prüfen ist. Im Übrigen wird auch bei diesen Projekten auf die Ausführungen in den Projektskizzen verwiesen.

 Quelle: Integriertes Handlungskonzept "Soziale Stadt" Frankfurt Oder (siehe Downloadbereich)
Das Programm Soziale Stadt wird aus Mitteln des Bundes, des Landes Brandenburg und der Stadt Frankfurt (Oder) gefördert.